Von McKinsey zum Fußball

From McKinsey to Football

Wie Christine Thoma Menschen und Unternehmenskultur prägt, um das Erbe von Eintracht Frankfurt zu stärken

Um sechs Uhr glitzert der Rasen im Deutsche Bank Park noch vom Tau und die Sprinkler flüstern in der Kälte.

Christine Thoma trinkt ihren dampfenden Kaffee aus und beginnt mit einem langsamen Lauf um das Stadion.

Vor etwa neun Monaten verließ sie die anspruchsvolle Beratungswelt von McKinsey, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen: Als Director of People & Corporate Culture bei Eintracht Frankfurt sollte sie 125 Jahre Tradition, 150.000 Mitglieder und Mitarbeiter zu einem einzigen, synchronisierten Herzschlag verbinden.

Vom einzigen Mädchen auf dem Platz zur Direktorin für People & Corporate Culture

Christines Liebe zum Fußball begann im Alter von vier Jahren, als sie das einzige Mädchen in einer Jungenmannschaft in Hamburg war. Sie lernte schnell, dass es kein Nachteil ist, sondern ein Vorteil, wenn man auffällt.

Nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium in Deutschland, London und Paris ergatterte sie ein Praktikum im Finanzwesen, wo ihr der erste große Karrierewechsel gelang.

An ihrem letzten Tag, als sie mit Zahlen kalkulierte, blickte ihr Chef auf und sagte: „In zwei Jahren will ich Sie hier nicht mehr sehen.“

Schockiert machte sie sich auf Kritik gefasst, nur um dann ihr Lächeln zu sehen und hinzuzufügen:

„Du bist klug und neugierig. Hier wirst du eingeengt. Geh raus und sieh dir die Welt an.“

Dieser Moment öffnete die Tür zu einem Vorstellungsgespräch bei McKinsey – und als Christine das Büro verließ, wurde ihr klar, dass das, was sich sicher anfühlt, in Wirklichkeit eine Grenze sein kann, die man sich selbst setzt.

Die berufliche Basis bei McKinsey

Bei ihrem ersten Einsatz bei McKinsey stürzte sich Christine in die Fallarbeit und in nächtliche Strategiesitzungen. Obwohl sie die vielfältigen Herausforderungen genoss, ließ ihr Verlangen nach praktischer Arbeit nie nach.

Die Gelegenheit ergab sich, als sie die Chance bekam, CEO-Partnerin bei einer deutschen Lotteriegesellschaft zu werden, einer der ersten Erfolgsgeschichten des deutschen E-Commerce.

Nachdem sie sich in Hamburg und London mit verschiedenen strategischen und kommerziellen Herausforderungen auseinandergesetzt und zunehmend mit Start-ups in Berührung gekommen war, entschied sie sich für eine Stelle bei einem Sporttechnologie-Scale-up in Berlin.

Für sie war das wie eine Rückkehr zu ihren frühen Fußballwurzeln, also zögerte sie nicht.

Vom Berliner Startup-Alltag zum Neustart

Die Startup-Welt brüllte wie ein Motor ohne Regler: Tagsüber brainstormte sie mit den Gründern über Produktfunktionen, nachts brütete sie über Benutzerdaten und Prototypen.

Sie lernte, im Chaos das Gaspedal durchzutreten – und bei Bedarf eine scharfe Kehrtwende zu machen.

Dann schlug COVID wie ein gerissener Sicherheitsgurt zu, fror Produktlinien ein und schrumpfte die Teams über Nacht.

Das deutsche Kurzarbeitsprogramm verschaffte ihr eine seltene Pause; sie tauschte spätabendliche E-Mails gegen Meditation ein, loggte sich vor Sonnenuntergang aus und hörte schließlich die Stimme in ihrem Inneren fragen:

„Was ist wirklich wichtig?“

Zurück zur Beratung, Themenschwerpunkt „People & Culture“

Kurz darauf lud das Leap-Team von McKinsey sie erneut zu McKinsey 2.0 ein, diesmal als Managerin für digitale Projekte und Organisationsdesign.

„Der Einstieg in die Beratung auf Managerebene kommt nicht oft vor“,

sie gibt zu,

„Also sei besser bereit, und jemand muss verrückt genug sein, um darauf zu vertrauen, dass du das Zeug dazu hast, ohne auf traditionelle Weise die Karriereleiter hinaufgestiegen zu sein.“

Vom frühen Morgen bis zum späten Abend pendelte sie zwischen Kunden, Teams und Führungsworkshops.

In einem seiner vielen wertvollen Mentoring-Gespräche gab ihr Mentor ihr die Metapher der Jonglierbälle.

Sie lächelte und sagte:

„Sie jonglieren mit vier Bällen gleichzeitig – Kunden, Team, Führung, Prozess. Wir wissen, wie herausfordernd das ist und dass Sie zwangsläufig Bälle fallen lassen. Das gehört einfach zum System. Achten Sie nur darauf, dass der Ball, den Sie fallen lassen, nicht der aus Glas ist.“

Für Christine war diese Aussage äußerst befreiend, da sie ihr zeigte, dass sie in einer psychologisch sicheren Umgebung die Kraft hatte, kalkulierte Risiken einzugehen.

Der Anruf, der alle Punkte verband

Drei Jahre später änderte ein Anruf alles:

„Eintracht Frankfurt sucht jemanden wie dich. Einen lebenslangen Fußballfan und Spieler mit einer Leidenschaft für Menschen und Unternehmenskultur, der uns hilft, die nächste Stufe zu erreichen. Bist du dabei?“

In Gedanken ging sie die Risiken durch: einen hart erkämpften Ruf aufzugeben, Netzwerke neu aufzubauen, neuem Druck ausgesetzt zu sein – doch jedes Kapitel ihrer Reise hatte auf diesen Moment hinausgeführt.

Zwei Jahrzehnte auf dem Spielfeld haben ihr die Intensität des Fußballfeldes beigebracht.

Jahrelange Teambildung hat ihr gezeigt, wie man Talente entfacht;

Die Startup-Nächte haben bewiesen, dass Kultur und Technologie gedeihen, wenn sie Hand in Hand gehen.

Ja, sie ist wieder gesprungen.

Auf die Frage: Wie definieren Sie Erfolg?

Sie hielt inne und sagte dann:

„Früher habe ich Erfolg daran gemessen, wer den Fall zuerst gelöst hat. Als Manager daran, wer auf der Bühne glänzte.

Jetzt geht es um Gesundheit, Menschen und Ziele – und darum, ob sich jedes Mädchen mit Pferdeschwanz in der Umkleidekabine oder im Sitzungssaal vorstellen kann, eines Tages eine Führungsposition einzunehmen.“

Christine beendet ihre letzte Runde und betritt den Tunnel mit einem Ziel in der Hand: dem Vertrauen, das sie durch alles führen wird, was als Nächstes kommt.